Willkommen bei Brainspotting Germany

Während das neue Buch „Brainspotting in der Praxis – Traumatherapie, wo Reden nicht reicht“ (Wolfrum, 2026) noch ausschließlich Bezug auf das „konventionelle“ Brainspotting-Verfahren nimmt, hat das Team von Brainspotting-Germany inzwischen eine Weiterentwicklung des Verfahrens um den Aspekt der Potenzialfokussierung vorgenommen: das Potentialfokussierte Brainspotting.

Die Potentialfokussierung bezieht sich auf das jedem Menschen innewohnende Entwicklungspotenzial, welches durch wohlwollende Menschen der Umgebung gefördert und angeregt, durch weniger wohlmeinende, durch Unfälle oder Schicksalsschläge beeinträchtigt oder fast ganz zum Erliegen kommen kann.

Der Neurobiologe Gerald Hüther präsentierte bei einer Fortbildung eine Grafik, die deutlich macht, warum Kindheits-Erfahrungen so entscheidend wichtig für den weiteren Lebensweg sind. Sie zeigt, daß die Natur unserem Gehirn nach der Geburt einen verschwenderischen Verschaltungsüberschuss an Synapsen zur Verfügung stellt. Nach dem Prinzip „use it or loose it“ werden aber nur diejenigen Verschaltungen dauerhaft etabliert, die von den umgebenden Bezugspersonen angeregt, ermutigt und unterstützt werden bzw. Resonanz erfahren. Mit anderen Worten: Je anregungsärmer die Lebensbedingungen eines Kindes sind und je weniger Begeisterung es erlebt, desto weniger Wachstum passiert im noch jungen Gehirn. Unter glücklicheren Bedingungen macht ein Kind täglich eine Vielzahl von Entdeckungen und es wird sich auch in Resonanz mit den umgebenden Personen immer wieder auf’s Neue begeistern können. Und bekanntlich wird unter Begeisterungserfahrungen der Neurotransmitter Dopamin ausgeschüttet, der nicht nur für eine bessere Verknüpfung der neuen Verschaltungen sorgt, sondern auch eine wichtige Rolle in der Motivationsentwicklung, bei Bewegung, Belohnung und sogar dem Gefühl von Glück spielt. Werden Kinder beim immer wieder Neuentdecken gehindert, ignoriert oder sogar bestraft, wird auch die morphologische Struktur und damit die Entwicklung unseres Gehirns als eines Beziehungsorgans behindert. Mittlerweile gibt es sehr eindeutige Belege dafür, daß die Struktur unseres Gehirns „gewordene Erfahrung“ ist – jede bedeutsame Erfahrung, ob positiv oder negativ, wird zur morphologischen Struktur. Im günstigsten Fall kann sich unser Gehirn also optimal entfalten und ungeahnte Potentiale entfalten, im ungünstigsten Fall wird das Gehirn real geschädigt.

Aufgrund der Neuroplastizität unseres Gehirns müssen aber frühe Schädigungserfahrungen keineswegs lebenslang bestehen bleiben oder Folgen nach sich ziehen, sondern können mit geeigneten Methoden durchaus einer nachträglichen Veränderung und günstigeren Verarbeitung zugeführt werden. Hier eignen sich körperorientierte Verfahren am besten, denn die Körperebene dürfte die tiefste Ebene von subjektiver Wahrheit repräsentieren – dies macht sich das potenzialfokussierte Brainspotting zunutze.

Jenseits erlebter traumatischer Erfahrungen ist gerade dieser Ansatz beim Traumapatienten sehr hilfreich, vermutlich werden hierdurch auch selbstregulative Heilungsprozesse angeregt und die PatientInnen erneut ins Staunen versetzt. Dies kann gerade bei PatientInnen, die längst in das sog. “Desillusionierungs-Schema” gerutscht sind, sehr hilfreich sein und vielleicht sogar zu einem Wendepunkt in der Therapie führen.